Am 6. März 2026 trafen sich die Mitglieder der Innovationsgruppe (IG) Akzeptanz des Clusters Dekarbonisierung der Industrie (CDI) an der Provadis Hochschule im hessischen Industriepark Höchst. Neben fachlichen Impulsen und Diskussionen bot eine Bustour über das Gelände Einblicke in die Transformation eines der größten Chemiestandorte Europas.
Historisch und zukunftsorientiert – so präsentierte sich der Industriepark Höchst den rund 20 angereisten Teilnehmenden aus Industrie und Wissenschaft. Innovationsgruppenleiter Prof. Utikal von der Provadis Hochschule zeigte auf, vor welchen Herausforderungen der 1863 gegründete Standort steht, der bis 2045 klimaneutral werden soll.
Gerade die Chemieindustrie habe dabei laut Utikal eine besondere Ausgangslage: Fossile Rohstoffe würden nicht nur energetisch, sondern auch stofflich genutzt. Entsprechend komplex sei die Entwicklung geeigneter Transformationspfade. Entscheidend sei es daher, klare Strategien für verschiedene Zeithorizonte zu entwickeln.
Clusterarbeit als Motor für Transformation
Als wichtiger Begleiter regionaler Transformationsprozesse – insbesondere in Hessen – hob er das Cluster Process4Sustainability hervor. Das Netzwerk unterstützt Unternehmen dabei, politische Klimaziele in konkrete betriebliche Strategien zu übersetzen und praxisnahes Wissen zu Technologien, neuen Märkten und Geschäftsmodellen bereitzustellen.
In der Diskussion der Innovationsgruppe wurde deutlich, dass solche Austausch- und Kooperationsformate für die Transformation der Industrie eine zentrale Rolle spielen. Die Teilnehmenden betonten, dass gemeinsame Plattformen notwendig sind, um Erwartungen zwischen Industrie, Politik und Verwaltung besser abzustimmen, Aktivitäten zu koordinieren und realistische Transformationspfade zu entwickeln. Gerade angesichts großer infrastruktureller und wirtschaftlicher Herausforderungen brauche es ein gemeinsames Verständnis darüber, wie der Weg zur klimaneutralen Industrie konkret gestaltet werden kann.
Frankfurt auf dem Weg zur Klimaneutralität
Einen kommunalen Blick auf die Transformation brachte Marc Gasper vom Klimareferat der Stadt Frankfurt am Main ein. Die Stadt möchte bereits bis 2035 klimaneutral werden. Das ambitionierte Ziel habe bereits neue Dynamik in Klimaschutzprojekte gebracht, betonte Gasper – auch wenn der Weg weiterhin anspruchsvoll sei. Eine zentrale Herausforderung liegt im künftig stark steigenden Strombedarf sowie in der Dekarbonisierung der Fernwärme. Gemeinsam mit Verwaltung, Politik, Wirtschaft und weiteren Akteuren arbeitet die Stadt an der Fortschreibung ihrer Klimastrategie.
Akzeptanz als Schlüssel für eine erfolgreiche Transformation
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Transformationsprozesse müssen auch gesellschaftlich verstanden und akzeptiert werden. Mehrere Teilnehmende betonten, dass eine offene Kommunikation und transparente Darstellung von Konsequenzen notwendig seien. Ein weiterer zentraler Punkt: Positive Beispiele der Transformation müssten stärker sichtbar gemacht werden. Erfolgreiche Projekte könnten helfen, Vertrauen aufzubauen und die gesellschaftliche Debatte zu versachlichen.
Das Fazit der Sitzung: Klimaneutrale Industrie, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz lassen sich nur gemeinsam erreichen – durch Kooperation, transparente Kommunikation und realistische Transformationspfade.