Veranstaltungsbeschreibung
Carbon Capture and Storage (CCS) gewinnt angesichts nahender Klimaneutralitätsziele als Dekarbonisierungstechnologie für die Industrie zunehmend an Bedeutung. In Deutschland wurden mit der Verabschiedung u. a. des KSpTG die rechtlichen Grundlagen für den Aufbau einer CO₂-Infrastruktur geschaffen. Das Ziel der Bundesregierung ist eine produktive Verknüpfung von Technologieoffenheit und Klimaschutz. CCS-Förderung soll sich vorrangig auf schwer oder nicht vermeidbare Emissionen konzentrieren, zugleich jedoch technologie- und sektorenoffen ausgestaltet sein, um Investitions- und Planungssicherheit zu gewährleisten.
Diese teils gegenläufigen Anforderungen an Infrastrukturplanung und Förderlandschaft prägen die beginnende Umsetzungsphase von CCS in Deutschland.
Doch für welche Anwendungen ist CCS tatsächlich sinnvoll?
Mit unserer überarbeiteten CCS Ladder 2.0 wollen wir einen Diskussionsbeitrag leisten. Die Veröffentlichung erfolgt am 24. Februar 2026. Das Webinar dazu am 03. März von 13:30 Uhr bis 15:00 Uhr stellt die neuen Erkenntnisse zur kritischen Diskussion:
Die zentralen Erkenntnisse werden von Dr. Georg Kobiela (Politische Leitung, Bellona Deutschland; Co-Hauptautor) präsentiert.
Anschließend werden Befunde, Nutzen und auch mögliche Leerstellen von Martin Albicker (Teamleiter Industrie, Deutsche Energie-Agentur (dena)) und Dr. Iris Rieth-Menze (Kommissarische Bereichsleiterin Industrie & Produktion, NRW.Energy4Climate) kritisch eingeordnet.
Im Anschluss besteht Raum für Fragen und Diskussion.
Im Webinar gehen wir u. a. folgenden Fragen nach:
- Warum war eine Aktualisierung der Methodik notwendig – und was ist neu an der CCS Ladder 2.0?
- Wie haben sich die relevanten Anwendungsbereiche für CCS in Europa 2030 und 2050 verändert? Wo bleibt CCS voraussichtlich eine prioritäre Dekarbonisierungsoption und wo ist die Skalierung alternativer Technologien zu erwarten?
- Welchen Mehrwert bietet die CCS Ladder 2.0 für die Priorisierung von CCS-Anwendungen und das Design von Regulation und Förderlandschaft?
- Welche Implikationen ergeben sich in Deutschland und Europa für Wertschöpfungspotenziale, Transformationspfade und Infrastrukturentwicklung?
Zur CCS Ladder 2.0
Seit der ersten Veröffentlichung der CCS Ladder durch E3G und Bellona im Sommer 2023 hat sich diese als ein Instrument zur differenzierten Bewertung des Klimanutzens von CCS in Europa etabliert. Seither haben sich die Diskussionen deutlich weiterentwickelt: Neben dem legislativen Prozess zum KSpTG in Deutschland hat die EU eine Industrial Carbon Management Strategy vorgelegt und im Rahmen des Net Zero Industry Act ein Injektionskapazitätsziel von 50 Mt CO₂ pro Jahr bis 2030 definiert. Gleichzeitig haben sich bei einigen Anwendungsbereichen Alternativen zu CCS weiterentwickelt – insbesondere in zuvor schwer elektrifizierbaren Bereichen wie der Hochtemperatur-Prozesswärme, für deren Dekarbonisierung zunehmend kosteneffizientere Optionen verfügbar werden.
Aktuelle Debatten zur Reform des EU-Emissionshandels erzeugen zudem neue Unsicherheit und erschweren Investitionsentscheidungen. In der Folge wird der Handlungsspielraum für die zeitnahe Planung und Umsetzung von CO2-Minderungsmaßnahmen enger. Umso wichtiger bleibt eine klare Priorisierung: Finanzielle und infrastrukturbezogene Restriktionen machen es unmöglich, alle Dekarbonisierungspfade parallel zu verfolgen. Es bedarf strategischer Entscheidungen darüber, wo CCS den größten Klimanutzen entfalten kann.