CDI Delegationsreise nach Nordjütland – "Transformation in action - moving beyond waiting"

Vom 4. bis 6. Oktober 2026 besuchte das CDI gemeinsam mit Vertreter*innen seiner Partner aus Forschung und Wirtschaft Nordjütland. In der Region rund um Aalborg wird Dekarbonisierung nicht mehr nur erprobt, sondern im industriellen Maßstab umgesetzt – von allen Akteuren gemeinsam, parallel und unter starker Beteiligung deutscher Unternehmen.

Delegationsteilnehmer Dnemark
Foto: CDI | Lars Horn

Nordjütland war lange ein kohlebasierter Schwerindustriestandort. Heute gilt die Region als einer der spannendsten Dekarbonisierungs-Hotspots Nordeuropas. Was die Delegation vor Ort erlebte, ging allerdings über einzelne Leuchtturmprojekte hinaus: Die für die Transformation notwendigen Technologien gibt es in Deutschland und in Dänemark. Der Unterschied liegt darin, wie selbstverständlich sie in Nordjütland zur Anwendung kommen.

Die Technologien, die wir für die Transformation brauchen, sind bei uns und in Dänemark vorhanden. In Dänemark sehen wir mehr Vertrauen, sie nicht nur im Rahmen von F&E und Pilotprojekten auszuprobieren, sondern in skalierten Projekten anzuwenden – unter starker Beteiligung deutscher Technologieunternehmen. Wo wir in Deutschland teilweise noch auf den Startschuss der anderen warten, auf Infrastruktur und Nachfrage, sehen wir in Nordjütland Transformation in action.

Make transition visible: Aalborg zeigt den Wandel im Stadtbild

Schon der erste Eindruck prägte die Reise: Der alte Hafen von Aalborg ist heute ein Ort für Kultur, Wissen und Begegnung. Mit Musikkens Hus, dem Utzon Center und der Universität wurde ein früheres Industrieareal zum Gesicht des Strukturwandels. Wie schon bei der Delegationsreise nach Bilbao im vergangenen Jahr wird deutlich: Die Region macht die Transformation sichtbar und greifbar. Dahinter steht ein Ansatz, der Industrie nicht nur technisch denkt, sondern gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung mit einbezieht und die Menschen vor Ort in den Prozess einbindet. Das geht deutlich über Akzeptanzarbeit hinaus.

Größtes Wandgemälde in Aalborg
Das Street Art Werk "Nordre Havnegade" von Søren Elgaard

Die Stationen: Technologien im Verbund und im Maßstab

Norbis Park, Aalborg: ein Kohlekraftwerk wird durch ein System ersetzt


Im Norbis Park lässt sich die Transformation mit einem Blick erfassen. Auf der einen Seite steht Nordjyllandsværket, Dänemarks letztes noch betriebenes Kohlekraftwerk für Strom und Fernwärme, das Ende 2028 abgeschaltet wird. Auf der anderen Seite stehen schon heute die Alternativen: vier Meerwasserwärmepumpen von CDI Partner Everllence mit zusammen 177 MW Wärmeleistung – nach Herstellerangaben die weltweit größte Meerwasserwärmepumpenanlage – sowie der Heatcube vom norwegischen CDI Partner KYOTO, der Strom aus erneuerbaren Quellen als Wärme speichert und diese bei Bedarf als Prozesswärme oder zur kommunalen Fernwärmeversorgung bereitstellt. Zusätzlich speist das Zementwerk Aalborg Portland seine Abwärme in das Fernwärmenetz ein.

Das Besondere: Es gibt nicht die eine Ersatztechnologie. Abwärme, Wärmepumpen, erneuerbarer Strom und Speicher werden am Standort zu einem System verbunden – und zwar bevor das Kraftwerk vom Netz geht.

Menschen mit Bauhelmen schauen etwas an
Die vier Meerwasserwärmepumpen von Everllence im Norbis Park, Aalborg. Foto: CDI | Lars Horn

Port of Aalborg: Infrastruktur für CO₂, Wind und mehr

Der neue Hafen Aalborgs entwickelt sich vom regionalen Umschlagplatz zu einem nordischen Hub für CO₂-Infrastruktur. Im Zentrum der Präsentation von Hafendirektor Lars Jøker und der anschließenden Hafenrundfahrt stand das Projekt Norne Carbon Storage Hub: eine großskalige Infrastruktur, die abgeschiedenes CO₂ aus Dänemark und anderen europäischen Ländern annimmt und zu unterirdischen Speicherstätten weiterleitet. Auf dem Gelände liegt außerdem BLAEST, eines der weltweit größten unabhängigen Testzentren für Windrotorblätter.

Das Besondere: Hier wird die Infrastruktur gebaut, auf die viele Industrien in Europa noch warten – als Angebot für mehrere Emittenten, nicht als Einzellösung.

Ein Mann präsentiert im Port of Aalborg
Port of Aalborg Direktor Lars Jøker präsentiert die neuen Hafenprojekte. Foto: CDI | Lars Horn

Aalborg Portland: CCS im industriellen Maßstab

Beim größten Zementwerk Dänemarks stellte Søren Konstmann Lausen, Sustainability Project Manager, das Projekt ACCSION vor. Es wird größtenteils von der EU finanziert und soll Aalborg Portland zum ersten Zementwerk der EU machen, das sowohl Grau- als auch Weißzement ohne direkte CO₂-Emissionen (Scope 1) herstellen soll. Das Projekt setzt auf dauerhafte CO₂-Speicherung, ergänzt durch klimafreundlichere Brennstoffe und neue Zementprodukte.

Das Besondere: Einer der größten industriellen Emittenten des Landes geht den Weg konsequent selbst. Er kombiniert Abscheidung, Brennstoffe und Produkte und gibt gleichzeitig Abwärme an die Stadt ab.

Zementwerk in Aalborg
Beeindruckende Werksbesichtigung bei Aalborg Portland, einem der größten Zementwerke Nordeuropas. Foto: CDI | Lars Horn

Everllence, Frederikshavn: Schifffahrt dekarbonisieren – auch im Bestand

Everllence-Managerin Lene Kragh und Head of Production Christian Schuhmacher zeigten bei Präsentation und Rundgang durch die Produktionshalle, wie die globale Schifffahrt künftig weniger CO₂ emittieren wird. Im Mittelpunkt stehen Dual-Fuel-Motoren, die mit konventionellem Kraftstoff oder mit Methanol laufen; auch Ethanol wurde erfolgreich getestet. Retrofit-Lösungen ermöglichen es zudem bestehenden Schiffen, auf alternative Kraftstoffe umzustellen.

Das Besondere: Die Lösung steht nicht im Labor, sondern in der Fertigungshalle – und sie adressiert mit dem Retrofit auch die bereits fahrende Flotte.

Gruppenfoto vor der Firma Everllence
CDI Partner Everllence empfängt die CDI-Delegation in Frederikshavn. Foto: Michael Stie Laugesen

Naval Base Frederikshavn: Sicherung der Energieversorgung und der Supply Chains

Ein Blick über den Tellerrand der Dekarbonisierung bot der Besuch auf der Naval Base. Seniorsergent Jesper Bagge Pedersen schilderte, welche neuen Anforderungen sich seit der Zeitenwende 2022 für die Sicherung des Friedens in Europa und den Erhalt der Lieferketten rund um Nord- und Ostsee ergeben. Für die Industrie ist das eine Erinnerung daran, dass Transformation und Resilienz zusammengehören.

Delegationstour vor Schiff
Die Delegation vor der Dannebrog, der königlich dänischen Yacht. Foto: CDI | mit Erlaubnis der Naval Base

Dronninglund: einfach und zukunftsweisend

Als letztem Programmpunkt vor der Rückreise besichtigte die Delegation ein großes Solarthermiefeld mit Erdbeckenspeicher. Es speichert Sonnenwärme aus dem Sommer und macht sie im Winter für die kommunale Fernwärme nutzbar. Die innovative Speicherabdeckung stammt von Aalborg CSP, heute als Aalborg Heating & Cooling Systems Teil der deutschen Alois Müller Gruppe.

Das Besondere: Ein überzeugend einfaches Konzept, das im Alltag der Wärmeversorgung funktioniert – mit deutscher Technologie.

 

 

Was wir mitnehmen

Verbund statt Einzelmaßnahme. In Nordjütland werden Technologien sowie Energie- und Stoffströme am Standort und über Standorte hinweg gebündelt. Abwärme, Wärmepumpen, erneuerbare Energien und Speicher sichern gemeinsam Klimaschutz und eine verlässliche Energieversorgung.

Gemeinsames Verständnis und Vertrauen. Alle Akteure gehen gleichzeitig los, weil sie überzeugt sind, in die richtige Richtung unterwegs zu sein. Das beruht auf einer engen Vernetzung in der Region, die auch beim Networking Dinner im Utzon Center mit Green Hub Denmark und dänischen Gästen spürbar war.

 

 

Networking Dinner
Michael Stie Laugesen, Green Hub Denmark, begeisterte beim Networking Dinner mit seiner sehr persönlichen Ansprache auf Deutsch. Foto: CDI | Roman Buss

Politische Kontinuität. Langfristige Klimaziele und ein breiter politischer Konsens geben Forschung und vor allem Unternehmen über wechselnde Koalitionen hinweg Planungssicherheit.

Zuversicht, Pragmatismus und Skalierung. Die Delegation erlebte Offenheit, Optimismus und den starken Willen, Technologien voranzubringen und zu skalieren. Für die Transformation in Deutschland ist das ein Impuls: Wir haben die Technologien, jetzt gilt es, gemeinsam loszulegen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, besonders an Green Hub Denmark für die hervorragende Mit-Organisation.

In der Delegation vertreten waren: Georgsmarienhütte GmbH, Everllence, Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI), Umweltbundesamt, Germany Trade & Invest (GTAI), Siemens Energy, NRW.Energy4Climate, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – Institut für CO₂-arme Industrieprozesse, PtX Lab Lausitz, RWTH Aachen University, Fraunhofer IEG, Metaliq GmbH, Kyoto Group AS und eiz Cottbus.

Impressionen

Partner werden

Sie interessieren sich für unsere Angebote und eine kostenfreie Partnerschaft im CDI?

Alle Vorteile
Visual: Partner werden

Melden Sie sich zum Newsletter an

Newsletter abonnieren