Partner tauschen sich in der CDI Innovationsgruppe International zum CO2-Grenzausgleichmechanismus (CBAM) aus

In der digitalen Sitzung der CDI Innovationsgruppe (IG) International standen die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen des europäischen CO2-Grenzausgleichmechanismus (CBAM – Carbon Border Adjustment Mechanism) im Fokus. In kurzen Pitches erläuterten drei Referierende aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Perspektive.

EU Flaggen
Foto: AdobeStock/ugiss

CBAM vereinfachen und Berichterstattung verbessern

Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) ist ein Instrument der Europäischen Union, das darauf abzielt, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren, indem importierte Waren mit einem CO₂-Preis belegt werden. Dadurch sollen Wettbewerbsverzerrungen vermieden und die Verlagerung von emissionsintensiver Produktion ins Ausland verhindert werden.

Zu Beginn der Sitzung stellte Dr. Babette Reimann (BMUKN) die aktuelle Situation zum CO2-Grenzausgleichmechanismus aus Sicht der Politik vor. Sie beschrieb, dass Firmen in der EU vor einem doppelten Kostendruck stehen: Die schrittweise Abschaffung von derzeit noch kostenfreien Zertifikaten führt zu einem Preisanstieg für im Inland gewonnene Grundstoffe sowie zu höheren Kosten für Grundstoffe, die aus dem Ausland eingeführt werden und in den Anwendungsbereich des CBAM fallen. Davon sei besonders die Aluminium- und Stahlindustrie betroffen.

Des Weiteren äußerte sie sich zu den vorherrschenden Bedenken, dass die CBAM-Verordnung keine ausreichenden Schutzmaßnahmen gegen das Risiko falscher Angaben zur Emissionsintensität sowie zu missbräuchlichen Praktiken gewähre. Als Lösungsansatz nannte sie eine Erweiterung der Befugnisse für die EU-Kommission, mit dem Ziel:

  • die spezifische Zusammensetzung der verschiedenen Produkte zu präzisieren,
  • das Risikomanagement anzupassen sowie
  • die Überwachung der CBAM Berichterstattung zu verbessern.

Grüne Leitmärkte zentral für nachhaltige Produktionsketten

Adelia Rathmann vom Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) betonte in ihrem Impuls, dass die Industrie unterschiedliche Position zu CBAM vertritt. Während sich die chemische Industrie mit tausenden Produkten in komplexen Produktionsketten tendenziell gegen EU-Klimazölle sträubt, befürwortet die Stahlindustrie diese. Wichtig aus Sicht des VIK ist, dass Carbon Leakage nachhaltig verhindert und die gesamte Wertschöpfungskette in unbürokratischen Lösungen abgedeckt wird. Um die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten zu erhöhen, sind nach Rathmann grüne Leitmärkte enorm wichtig.

CBAM ist „Work in Progress“

„Der größte Erfolg des CBAM liegt darin, dass er bereits vor seiner Einführung gewirkt hat und zu einem weltweiten Boost der CO2-Bepreisung (etwa in der Türkei, Brasilien, Indien, China, oder Vietnam) geführt hat“, so Benjamin Görlach von Agora Energiewende. Zentral für einen funktionierenden CBAM blieben unter anderem:

  • die Ausweitung auf nachgelagerte Produkte,
  • eine Kompensation für Exporteure,
  • ein konsistenter Regulierungsrahmen und
  • eine verlässliche Berichterstattung entlang der gesamten Wertschöpfungsketten.

Generell sei jedoch auch ein internationaler Wettlauf um Clean-Tech-Lösungen zu beobachten.

Fragen aus dem Publikum adressierten die unklare Rolle von Wasserstoffderivaten wie Ammoniak oder die Auswirkungen des CBAM auf andere Regionen und deren CO2 Bepreisung. Einigkeit herrschte dahingehend, dass der Grenzausgleichmechanismus eine Herausforderung für KMUs und die energieintensive Wirtschaft bleibt.

Die IG International wird dieses und weitere globale Themen, die einen unmittelbaren Einfluss auf die energieintensive Industrie in Deutschland haben, beobachten und diskutieren.

 

 

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