Im Juni und Juli 2026 hat das CDI erstmals eine dreiteilige Workshopreihe zum Thema Akzeptanzkommunikation durchgeführt. In Berlin und Cottbus haben sich Teilnehmende aus CDI Partnerunternehmen intensiv mit der Frage beschäftigt, wie sich gesellschaftliche und unternehmensinterne Akzeptanz für Dekarbonisierungsvorhaben strategisch aufbauen lässt. Konzipiert und durchgeführt wurde die Reihe gemeinsam mit der Kommunikationsagentur navos, die über umfassende Erfahrung in der Infrastruktur- und Nachbarschaftskommunikation verfügt. Ein Rückblick auf drei intensive Workshoptage.
Ein Thema mit hoher Praxisrelevanz
Ob neue Infrastruktur für erneuerbare Energien oder die Transformation bestehender Industriestandorte: Der Erfolg von Dekarbonisierungsprojekten hängt heute nicht mehr nur von Technologie und Wirtschaftlichkeit ab, sondern maßgeblich davon, wie gut es gelingt, Vertrauen aufzubauen – nach außen in der Gesellschaft und nach innen im eigenen Unternehmen. Genau hier hat die Workshopreihe angesetzt und beide Blickrichtungen konsequent miteinander verbunden. Ein Rückblick auf drei intensive Workshoptage.
Workshop 1: Projekte erfolgreich kommunizieren – Von der Strategie bis zum Dialog (2. Juni 2026, Berlin)
Im Auftaktworkshop stand die Entwicklung einer Kommunikationsstrategie im Mittelpunkt – mit klarem Fokus auf praktischer Anwendung statt Theorie. Anhand des fiktiven Falls „Industriepark Nordfeld", eines Dekarbonisierungsvorhabens in Brandenburg, identifizierten vier Arbeitsgruppen mithilfe von Stakeholder-Mapping und der Persona-Methode relevante Akteure und erarbeiteten Kommunikationsstrategien. Dabei versetzten sich die Teilnehmenden bewusst in unterschiedliche Perspektiven – etwa in die einer Bürgermeisterin, eines Umweltverbands oder von Medienvertretenden.
Fachlichen Input lieferte Katja Witte vom Wuppertal Institut mit Forschungsergebnissen zur Frage, welche Faktoren die Akzeptanz von industriellen Dekarbonisierungsvorhaben beeinflussen. Die anschließende Diskussion zeigte: Vor jeder Kommunikation braucht es eine gründliche Analyse der lokalen Akteure sowie ein tragfähiges Narrativ, dass die identifizierten Zielgruppen anspricht. Intensiv diskutiert wurde zudem der Umgang mit politisch kontroversen Akteuren:während manche Unternehmen bewusst eine neutrale Rolle einnehmen und den Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen suchen, schließen andere bestimmte politische Akteure aus Beteiligungsformaten aus. Am Beispiel des „Industriepark Nordfeld“ wurde zudem klar: Herausforderungen beim Projekt können mit der richtigen Erzählung zu Chancen für die Akzeptanz des Gesamtvorhabens werden.
Workshop 2: Akzeptanz gestalten – Stakeholderkommunikation für Industrieprojekte (16. Juni 2026, Cottbus)
Der zweite Termin machte deutlich: Fachliche Argumente allein reichen selten aus, um gesellschaftliche Akzeptanz zu schaffen. Zunehmend prägen Vertrauens-, Beteiligungs- und Legitimitätsfragen den Erfolg von Industrie- und Infrastrukturprojekten, während Unternehmen gleichzeitig hohe Mitbestimmungsansprüche mit begrenzten Handlungsspielräumen ausbalancieren müssen. Erfolgreiche Projektkommunikation basiert auf einem frühen Start, durchgehender Transparenz, kontinuierlichem Dialog, festen Ansprechpartner*innen und einer verständlicher Sprache.
In der Praxis erprobten die Teilnehmenden das Gelernte in zwei Rollenspielen: einer ersten öffentlichen Dialogveranstaltung zu einer CO₂-Pipeline, in der sie unter anderem die Rollebetroffener Landwirteeinnahmen, sowie einer Informationsveranstaltung für Belegschaft und Anwohnende zu einem Dekarbonisierungsprojekt, das mit Stellenabbau einhergeht. Dabei diskutierten und trainierten sie deeskalierende Kommunikationsansätze, aktives Zuhören und den Umgang mit kritischen Nachfragen.
Eine zentrale Erkenntnis: Kommunikationsmaßnahmen müssen sich an den konkreten Interessen, Erwartungen und Befürchtungen der jeweiligen Stakeholder orientieren und lassen sich nicht pauschal entwickeln. Außerdem diskutierten die Teilnehmenden intensiv, wie man mit kontroversen Stakeholdern und Fehlinformationen umgehen sollte. Dabei betonten sie, wie wichtig eine klare Wertehaltung, definierte rote Linien und ein aktiver statt rein reaktiver Kommunikationsansatz sind.
Workshop 3: Intern überzeugen, extern wirken – Stakeholderkommunikation richtig integrieren (2. Juli 2026, Berlin)
Der Abschlussworkshop rückte einen häufig unterschätzten Erfolgsfaktor in den Fokus: die interne Kommunikation. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie externe Stakeholderkommunikation intern organisiert wird, welche Akteure eingebunden werden müssen und wer die Verantwortung dafür trägt. Anhand des fiktiven Falls „Industriepark Nordfeld" aus dem ersten Workshop analysierten die Teilnehmenden in Gruppenarbeit die interne Akteurslandschaft und identifizierten mittels SWOT-Analyse Reibungspunkte, Silodenken und unklare Verantwortlichkeiten, z.B. das Praxisszenario, dass Projektleitungen die technische Umsetzung priorisieren und Kommunikation als nachrangig behandeln.
Auf besonders großes Interesse stieß das RACI-Framework (Responsible, Accountable, Consulted, Informed) als praxistaugliches Instrument zur Definition klarer Rollen und Verantwortlichkeiten. Ergänzend lieferte ein Blick in die VDI-Richtlinie 7000 (ein praxisorientierter Leitfaden des Vereins Deutscher Ingenieure für Öffentlichkeitsbeteiligung) Orientierung: Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung braucht eine systematische Verankerung im Projektmanagement, eine Analyse der internen Anspruchsgruppen sowie kontinuierlichen Rückhalt durch die Führungsebene, um die Handlungsfähigkeit der zentralen Akteure zu stärken.
Die zentrale Erkenntnis des Workshops: Erfolgreiche externe Stakeholderkommunikation setzt eine funktionierende interne Kommunikation, klare Verantwortlichkeiten und eine gemeinsame strategische Ausrichtung im Unternehmen voraus. Entscheidend dafür ist, dass die Führungsebene Kommunikation sichtbar priorisiert und interne Befürworter*innen des Projekts gezielt eingebunden werden, um eine einheitliche und effiziente Kommunikation nach außen zu ermöglichen.
Fazit und Ausblick
Die drei Workshops haben gezeigt: Akzeptanzkommunikation ist für die CDI Partner längst kein Randthema mehr, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor auf dem Weg zur klimaneutralen Industrie – gesellschaftlich wie unternehmensintern. Ob Stakeholder-Mapping, deeskalierende Gesprächsführung oder das RACI-Framework: Die in der Reihe erarbeiteten Methoden fließen nun in einen CDI Praxisleitfaden ein, der Partnerunternehmen künftig als Orientierung für die eigene Akzeptanzkommunikation dienen soll.
CDI Partner, die sich für das Thema interessieren oder Fragen zum geplanten Praxisleitfaden haben, können sich gerne an die CDI Koordinierungsstelle wenden.